Das Leitbild des Dekanates Saarbrücken

"Im Dekanat Saarbrücken gemeinsam unterwegs vor Gott und für die Menschen" –

so lautet die Kurzfassung des Leitbildes des Dekanates Saarbrücken. Es gibt unserem Dekanat ein Gesicht und zeigt, wofür die katholische Kirche in Saarbrücken und Umgebung steht.

Entstanden ist das Leitbild in einem Prozess in den Jahren 2007 bis 2008, bei dem sowohl ehrenamtliche Delegierte aus den Pfarrgemeinden als auch hauptamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger und verschiedene Kooperationspartner aus Ökumene und Kommunen beteiligt waren.

Im Folgenden dokumentieren wir die Langfassung des Leitbildes, das die Dekanatskonferenz am 14. Mai 2008 in Kraft gesetzt hat:

Im Dekanat Saarbrücken ...

Die Großstadtsituation der Landeshauptstadt Saarbrücken an der Grenze zu Frankreich prägt das Leben im ganzen Dekanat. Auch in den eher dörflichen Regionen im Osten und Westen des Dekanates wird das Leben wesentlich durch die Nähe zur Großstadt beeinflusst. Viele finden ihren Arbeitsplatz in der Stadt, Schüler und Studenten nehmen die verschiedenen Bildungsangebote in der Stadt wahr und die Geschäfte, Freizeit- und Kulturangebote, sowie die Feste ziehen Menschen diesseits und jenseits der Grenze an.
In der Stadt selbst treten die gesamtgesellschaftlichen und kirchlichen Herausforderungen konzentriert, verstärkt und oft zwiespältig in Erscheinung:

  • die vielfältigen Möglichkeiten der persönlichen Entfaltung und die wachsende Perspektivlosigkeit durch Armut,
  • das reiche Angebot an Konsumgütern und unübersehbare soziale Notlagen,
  • die Nutzung moderner Kommunikationsmittel und der Zwang zur Mobilität,
  • die Chancen selbstbestimmter, individueller Lebensgestaltung und das Risiko der Vereinsamung und Anonymität,
  • das bereichernde Miteinander in einer multikulturellen Stadt und die Infragestellung von Gewohnheiten und Identitäten,
  • die Dynamik vielfältiger Veränderungen und der Verlust von vertrauter Stabilität,
  • die Auflösung volkskirchlicher Strukturen und die Möglichkeiten persönlicher Glaubensgestaltung,
  • die Chancen der Zusammenarbeit von Pfarrgemeinden und die Angst vor Heimatlosigkeit in anonymen Großpfarreien.

Vor diesen Herausforderungen der Großstadt Saarbrücken, die eng mit den Zukunftsfragen der Gesellschaft verknüpft sind, können wir uns als Kirche nicht verschließen.

Um das Evangelium glaubwürdig zu verkünden und damit den Auftrag Jesu Christi zu erfüllen, stellen wir uns als Dekanat Saarbrücken mit unseren Möglichkeiten dieser Situation.

... gemeinsam unterwegs ...

In einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft leben wir unseren Glauben an Jesus Christus. Wir hören seine Frohe Botschaft vom liebenden Gott, der mit allen Menschen in dieser Welt unterwegs ist, und bringen sie konkret ins Gespräch.
Mit vielen Menschen im Dekanat teilen wir katholische Christinnen und Christen die Hoffnung, dass Leben gelingt, wenn es von Barmherzigkeit, Liebe und Gerechtigkeit geprägt wird. Vertrauensvoll arbeiten wir mit allen Institutionen, Gruppen und Initiativen zusammen, die sich für die Menschen und deren Würde engagieren.
Menschen anderer Nationalitäten, Kulturen und Religionen begegnen wir mit Offenheit, Toleranz und Respekt. Mit ihnen machen wir uns auf den Weg, Gott in unserem Leben und in unserer Welt zu suchen und zu entdecken und uns für eine Welt in Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden einzusetzen.
Mit den Christinnen und Christen unserer evangelischen Schwesterkirchen engagieren wir uns für die Ökumene aller, die auf Christus getauft sind. Wir feiern gemeinsam Gottesdienste und bieten konkrete soziale Hilfen für die Menschen an.
Mit den Menschen, die sich aus vielerlei Gründen von unserer Kirche entfernt haben, suchen wir das Gespräch und stellen uns ihren Anfragen.
Als Kirche in einem reichen Land und Teil der Weltkirche verpflichten wir uns, benachteiligte Kirchen und Menschen der Schwellen- und Entwicklungsländer zu unterstützen. Konkrete Projekte der Partnerschaft sind Lernorte des Glaubens und der Solidarität.
Als Dekanat an der Grenze entwickeln wir gemeinsam mit unseren französischen Nachbarn Orte der Begegnung und des Dialogs.

 ... vor Gott ...

In der lauten, erstarrten und zersplitterten Welt suchen Menschen nach Erfahrungen von Stille, Neuanfang und Ganzheitlichkeit. 
Wir schöpfen aus den vielfältigen mystischen Traditionen der Kirche und eröffnen Räume der Meditation und des Gebets.
In diesen Phasen der Unterbrechung des Alltags wechseln wir unsere Perspektiven und lernen, mit den Augen Jesu auf die Welt zu sehen.
So werden wir offen für das, was Gott uns schenken will: eine liebende Aufmerksamkeit für Gott, die Mitmenschen, die Schöpfung und uns selbst.
Im Lichte des Evangeliums nehmen wir in den Umbrüchen und Aufbrüchen die Sorgen und Nöte, die Hoffnungen und Freuden der Menschen wahr. Wir glauben, dass Gott in diesen "Zeichen der Zeit" da ist.
Wir feiern den Sonntag als den Tag, an dem Christus von den Toten auferweckt wurde. Sein Leben, sein Tod und seine Auferstehung haben uns von der Macht des Todes befreit. Im Hören der biblischen Geschichten, der Worte und Taten Jesu und in der Feier der Eucharistie lassen wir uns von dem gekreuzigten und auferstandenen Christus in den Zeichen von Brot und Wein stärken und herausfordern.
 

... für die Menschen.

Wir sind vor allem herausgefordert, wo menschliches Leben durch Armut, Krankheit, Einsamkeit, Überforderung, Ohnmacht und Sinnlosigkeit bedroht ist.
Wir treten an die Seite derer, die durch politische, ökonomische, soziale und kulturelle Ausgrenzung gefährdet oder gar vergessen sind. In ihnen wird nach dem Evangelium Gott unter uns sichtbar.
Für die Überlebensfragen der Menschheit bleiben wir wach und setzen uns für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung ein.
Bei Veränderungen in Kirche und Gesellschaft - auch bei uns im Dekanat - blicken wir mit Gottvertrauen in die Zukunft und wagen gemeinsam Neues, auch wenn uns der Abschied von Altem schwer fallen sollte.
Durch die Zusage Jesu leben wir in der Hoffnung, dass Gott sein Reich in Gerechtigkeit vollendet und beten darum, dass Himmel und Erde zusammenkommen.